Der Dude Of Germs zählt zu den lügendär überlieferten Weisen des viel zu frühen Diskordianismus und wird innerhalb mehrerer tradierter Schriften als außergewöhnlich heiliger und weiser, zugleich jedoch zutiefst verwahrloster Mühstiker beschrieben, der aber auch heilig und weise war. Seine Gestalt nimmt in der diskordischen Theologie eine eigentümliche Zwischenstellung ein: Er erscheint einerseits als kosmischer Wanderer von beinahe mythischer Dimension, andererseits als obdachloser Landstreicher von bemerkenswerter Unordnung. Wenn man sich ein wenig mit kosmischen Wanderern und obdachlosen Landstreichern auskennt, ist dies allerdings völlig einleuchtend.
Die Frühzeit seines Lebens liegt im Trüben (vermutlich, weil er da einen Fuß ins Wasser gehalten hat). Überliefert ist, daß seine Geburt unter denkbar weltlichen Umständen stattfand, sehr zur Enttäuschung zeitreisender Chronisten. Seine Kindheit soll von Armut, zahlreichen Geschwistern und einer gewissen gesellschaftlichen Randständigkeit bestimmt gewesen sein. Bereits in jungen Jahren erkannte er jedoch die Ziellosigkeit als legitimes Ziel und begann ein konsequentes Wanderleben, das ihn durch verschiedenste Regionen führte. Zahlreiche Überlieferungen berichten von Begegnungen mit anderen lügendären Gestalten der diskordischen Tradition, darunter Chonks, Phools und Krempelritter.
Sein erstes bezeugtes Erwachen wird in der sogenannten Rattenkönig-Legende geschildert, der zufolge er in einem Müllcontainer zu Bewusstsein kam und dort eine Unterweisung durch eine sprechende Ratte empfing. Die Episode gilt als frühes Zeugnis seiner späteren Lehre, wonach Verfall, Abfall und scheinbarer Dreck keineswegs außerhalb der Ordnung stehen, sondern selbst integrale Bestandteile kosmischer Prozesse darstellen.
Von herausragender Bedeutung ist die Erzählung des Sternenwanderers, in der berichtet wird, daß der Dude of Germs in der Leere um einen jungen Stern erschien und diesen über Milliarden von Umläufen hinweg umrundete. Der dabei an seinen Füßen angesammelte „Dreck“ formte sich schließlich zu einem Planeten. Diese kosmologische Allegorie wird gemeinhin als diskordische Schöpfungserzählung interpretiert, in der Unachtsamkeit, Gedankentiefe und mangelnde Fußhygiene als schöpferische Prinzipien erscheinen.
Eine weitere zentrale Überlieferung betrifft seine dreiundzwanzigjährige Versenkung unter einem Baum, bei der er versuchte, die Gedanken der Pflanzenwelt zu erfassen. Diese Episode wird häufig als Beispiel für die diskordische Erkenntnistheorie herangezogen, und für überzogene Erwartungen und lakonische Minimalantworten.
Seine vielleicht (vielleicht auch nicht) folgenreichste Einsicht erlangte der Dude of Germs in der Begegnung mit einem Bürokraten, der ihn in ein System der Ordnung zwingen wollte. In jener Auseinandersetzung erkannte er, daß jedes Ding im Kosmos seinen Platz habe – und daß sein eigener Platz außerhalb der formalen Ordnung liege. Diese Selbsterkenntnis wird in der diskordischen Tradition als Auffindung seines Sacred Chao gedeutet. Bemerkenswert ist, daß auch der Bürokrat in diesem Moment eine komplementäre Einsicht gewann, wodurch die Episode als harmonische Entladung des Hodge-und-Podge-Spiels gelesen wird.
Der Dude of Germs wird in mehreren Chroniken als zeitweiliger Bewohner bedeutender diskordischer Orte genannt. So soll er einige Jahre im Kloster Santa Pippilotta auf dem Besen zur Untermiefe gehaust haben, bis selbst die dort ansässigen Chonks beschlossen, ihn des Hauses zu verweisen. Die Überlieferung betont, daß es fünf Jahre dauerte, seine ehemalige Zelle wieder bewohnbar zu machen, was als indirekter Hinweis auf die Intensität seiner Präsenz gewertet wird. Auch auf Schloss Gammelot wird sein Aufenthalt bezeugt: Er soll eine Nacht auf der sogenannten Höllencouch verbracht haben, allerdings ausschließlich im Sitzen, wobei sein Kontakt mit dem Möbelstück dessen spätere Nutzbarkeit erheblich beeinträchtigt habe. Bei Reisen in den Osten soll der mit dem Weisen Sri Sidya Kakao getrunken haben, bis der Meister des Dao-Kakao ihn nach dem fünf mal fünften Mal Nachschenken die Hucke vollgehauen und ihn davongejagt hat. In anderen Schriften wird auch ein Zusammentreffen des Dude of Germs mit seinem westlicher verorteten Zeitgenossen, dem Dude of the Nether, angedeutet.
Theologisch vertrat der Dude of Germs eine ambivalente Haltung zur Ordnung. Überliefert ist sein Ausspruch: „Je ordentlicher ein Mensch wird, desto näher rückt er dem Tode.“ In anderen Fragmenten verglich er Leben und Tod mit Käse und Löchern oder andere goldene Äpfel mit Glühbirnen. Seine Zitate zeichnen sich durch aphoristische Kürze und gleichzeitige ontologische Unschärfe aus. Zeitgenossen ordneten ihn der Kategorie der „betrunkenen Propheten“ zu, deren Nuscheln, so heißt es, nicht selten Teil ihrer Methode gewesen sei. Daß er häufig betrunken und versifft gewesen sein soll, wird in der Tradition weder beschönigt noch als Gegenargument gegen seine Weisheit gewertet. In diesem Sinne erscheint der Dude of Germs als Denker des Übergangs: zwischen Chaos und Ordnung, zwischen Müll und Kosmos, zwischen Erleuchtung und völliger Verwahrlosung.
Man sagt, er sei unheimlich heilig und weise gewesen. Andere sagen, er habe lediglich sehr viel getrunken und sei frühzeitig aus diversen Gebäuden geworfen worden. Die diskordische Überlieferung sieht in beidem keinen Widerspruch, weil er unheimlich heilig und weise war.
Und deshalb, so heißt es, wird er ewig leben.