Tarvoc hat geschrieben:Die Vorstellung, man müsse zuerst Christ gewesen sein, um "wirklich" Atheist werden zu können, wurde übrigens schon von Marx kritisch auseinandergenommen, und zwar in seiner Auseinandersetzung mit Bruno Bauer in Die Heilige Familie und Zur Judenfrage.
Žižek ist hier sehr viel näher an Bauer als an Marx. Seine Argumente stellen zwar so eine Art Hegelianisierung Chestertons dar, wiederholen aber im Grunde nur Argumente, die bei Bauer schon da waren und deren Kritik sich bei Marx bereits findet.
toller aufsatz, beide. Ich habe eine schwäche für starke Bilder und dunklen Pathos, ich habe mich wohl mal wieder blenden lassen
ein paar kurze anmerkungen meinerseits: Zizek hat selbst der Vorstellung widersprochen, dass das Konzentrationslager ein Ort der Erleuchtung sein könne und er die mystifizierung des leidens für eine furchtbare Idee hält. Zizeks Philosophie scheint also eine Menge inkonsistenzen aufzuweisen, good 2 know.
weiterhin ist die Vorstellung von einem entfremdeten Gott eine gnostische Idee, zu der die Arianer wohl gehören und die recht frühzeitig durch die kanonisierung der Bibel aktiv aus der Kirche ausgeschlossen wurden. Die Gnosis ist ein Sammelsurium für alle möglichen verrückten Ideen, wie zb das die Schlange im Paradies Jesus ist, der will das die Menschen sich gegen Gott auflehnen, weil der Gott des alten Testaments der falsche sei oder das die Beziehung Jesus-Judas eine Liebestragödie ähnele, so ähnlich wie die zwischen Gott und Luzifer.
Wikipedia hat geschrieben:Eric Voegelin sah in der Moderne eine Wiederkehr der Gnosis, insbesondere in Form politischer Religion. Nach Voegelin[15] gibt es sechs Merkmale, welche die Gnosis auszeichnen:
Der Gnostiker zeigt eine Unzufriedenheit mit seiner Lage in der Welt.
Der Gnostiker glaubt, die Welt sei schlecht beschaffen, aber er glaubt nicht an die Unzulänglichkeit des Menschen.
Der Gnostiker glaubt, vom Übel der Welt erlöst werden zu können.
Der Gnostiker glaubt, die Seinsordnung könne in einem historischen Prozess verändert werden.
Der Gnostiker glaubt, die erlösende Änderung könne durch eigene Tat des Menschen erfolgen.
Der Gnostiker glaubt sich im Besitz des Wissens um die Methode dieser Änderung, erstellt von diesem Standpunkt aus Rezepte zur Selbst- und Welterlösung und verkündet prophetisch der Menschheit sein Erlösungswissen.[16]