Discordianische Guerilla-Die Technik der Operation Mindfuck

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λ-5 [LD-HEG]
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Discordianische Guerilla-Die Technik der Operation Mindfuck

Beitrag von λ-5 [LD-HEG] »

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Zarathustra,- Dionysos,- dem Gekreuzigten

St. Friedrich Nietzsche

dem Heiligen der letzten Tage

zum Gedenken

-----------------------

Vom Wege des Schaffenden

Willst du, mein Bruder, in die Vereinsamung gehen? Willst du den Weg
zu dir selber suchen? Zaudere noch ein Wenig und höre mich.
"Wer sucht, der geht leicht selber verloren. Alle Vereinsamung ist
Schuld": also spricht die Heerde. Und du gehörtest lange zur Heerde.
Die Stimme der Heerde wird auch in dir noch tönen. Und wenn du sagen
wirst "ich habe nicht mehr Ein Gewissen mit euch", so wird es eine
Klage und ein Schmerz sein.
Siehe, diesen Schmerz selber gebar noch das Eine Gewissen: und dieses
Gewissens letzter Schimmer glĂŒht noch auf deiner TrĂŒbsal.
Aber du willst den Weg deiner TrĂŒbsal gehen, welches ist der Weg zu
dir selber? So zeige mir dein Recht und deine Kraft dazu!
Bist du eine neue Kraft und ein neues Recht? Eine erste Bewegung? Ein
aus sich rollendes Rad? Kannst du auch Sterne zwingen, dass sie um
dich sich drehen?
Ach, es giebt so viel LĂŒsternheit nach Höhe! Es giebt so viel
KrĂ€mpfe der Ehrgeizigen! Zeige mir, dass du keiner der LĂŒsternen und
Ehrgeizigen bist!
Ach, es giebt so viel grosse Gedanken, die thun nicht mehr als ein
Blasebalg: sie blasen auf und machen leerer.
Frei nennst du dich? Deinen herrschenden Gedanken will ich hören und
nicht, dass du einem Joche entronnen bist.
Bist du ein Solcher, der einem Joche entrinnen durfte? Es giebt
Manchen, der seinen letzten Werth wegwarf, als er seine Dienstbarkeit
wegwarf.
Frei wovon? Was schiert das Zarathustra! Hell aber soll mir dein Auge
kĂŒnden: frei wozu?
Kannst du dir selber dein Böses und dein Gutes geben und deinen Willen
ĂŒber dich aufhĂ€ngen wie ein Gesetz? Kannst du dir selber Richter sein
und RĂ€cher deines Gesetzes?
Furchtbar ist das Alleinsein mit dem Richter und RĂ€cher des eignen
Gesetzes. Also wird ein Stern hinausgeworfen in den öden Raum und in
den eisigen Athem des Alleinseins.
Heute noch leidest du an den Vielen, du Einer: heute noch hast du
deinen Muth ganz und deine Hoffnungen.
Aber einst wird dich die Einsamkeit mĂŒde machen, einst wird dein Stolz
sich krĂŒmmen und dein Muth knirschen. Schreien wirst du einst "ich bin
allein!"
Einst wirst du dein Hohes nicht mehr sehn und dein Niedriges
allzunahe; dein Erhabnes selbst wird dich fĂŒrchten machen wie ein
Gespenst. Schreien wirst du einst: "Alles ist falsch!"
Es giebt GefĂŒhle, die den Einsamen tödten wollen; gelingt es ihnen
nicht, nun, so mĂŒssen sie selber sterben! Aber vermagst du das, Mörder
zu sein?
Kennst du, mein Bruder, schon das Wort "Verachtung"? Und die Qual
deiner Gerechtigkeit, Solchen gerecht zu sein, die dich verachten?
Du zwingst Viele, ĂŒber dich umzulernen; das rechnen sie dir hart an.
Du kamst ihnen nahe und giengst doch vorĂŒber: das verzeihen sie dir
niemals.
Du gehst ĂŒber sie hinaus: aber je höher du steigst, um so kleiner
sieht dich das Auge des Neides. Am meisten aber wird der Fliegende
gehasst.
"Wie wolltet ihr gegen mich gerecht sein! - musst du sprechen - ich
erwÀhle mir eure Ungerechtigkeit als den mir zugemessnen Theil."
Ungerechtigkeit und Schmutz werfen sie nach dem Einsamen: aber, mein
Bruder, wenn du ein Stern sein willst, so musst du ihnen desshalb
nicht weniger leuchten!
Und hĂŒte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne Die,
welche sich ihre eigne Tugend erfinden, - sie hassen den Einsamen.
HĂŒte dich auch vor der heiligen Einfalt! Alles ist ihr unheilig,
was nicht einfÀltig ist; sie spielt auch gerne mit dem Feuer - der
Scheiterhaufen.
Und hĂŒte dich auch vor den AnfĂ€llen deiner Liebe! Zu schnell streckt
der Einsame Dem die Hand entgegen, der ihm begegnet.
Manchem Menschen darfst du nicht die Hand geben, sondern nur die
Tatze: und ich will, dass deine Tatze auch Krallen habe.
Aber der schlimmste Feind, dem du begegnen kannst, wirst du immer dir
selber sein; du selber lauerst dir auf in Höhlen und WÀldern.
Einsamer, du gehst den Weg zu dir selber! Und an dir selber fuhrt dein
Weg vorbei und an deinen sieben Teufeln!
Ketzer wirst du dir selber sein und Hexe und Wahrsager und Narr und
Zweifler und Unheiliger und Bösewicht.
Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: wie wolltest
du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!
Einsamer, du gehst den Weg des Schaffenden: einen Gott willst du dir
schaffen aus deinen sieben Teufeln!
Einsamer, du gehst den Weg des Liebenden: dich selbst liebst du und
desshalb verachtest du dich, wie nur Liebende verachten.
Schaffen will der Liebende, weil er verachtet! Was weiss Der von
Liebe, der nicht gerade verachten musste, was er liebte!
Mit deiner Liebe gehe in deine Vereinsamung und mit deinem Schaffen,
mein Bruder; und spÀt erst wird die Gerechtigkeit dir nachhinken.
Mit meinen ThrÀnen gehe in deine Vereinsamung, mein Bruder. Ich liebe
Den, der ĂŒber sich selber hinaus schaffen will und so zu Grunde
geht. -

Also sprach Zarathustra. [Friedrich Nietzsche]

----------------------

Legion Discordia
Heiliger Eristischer Geheimdienst
Brigade Zarathustra

Discordianische Guerilla - Die Technik der Operation Mindfuck



-I-

Vorsilbe

Dieses Buch richtet sich an Discordianer. Wenn du nicht weißt, was es mit diesen Leuten auf sich hat, kannst du es trotzdem lesen, ohne direkt in Flammen aufzugehen, oder nachts in einer Untergrundbasis der plejadischen Befreinungsarmee aufzuwachen.

Wir werden hier bewusst keine EinfĂŒhrung in den Discordianismus vornehmen. Denn wir sind der Meinung, dass sich jede/r selbst in den Discordianismus einfĂŒhren muss, um sich ĂŒberhaupt ein Bild dieses Weges machen zu können, geschweige denn, ihn gehen zu können.

Dieser bescheidene Versuch, Wissen zugĂ€nglich zu machen, wird sich darauf beschrĂ€nken, konkrete Techniken der Operation Mindfuck zu prĂ€sentieren. Wir werden eine EinfĂŒhrung und Begriffsdefinitionen vornehmen, um danach in einen praktischen Teil ĂŒberzugehen, der konkrete Fragen der discordianischen Praxis versuchen wird, zu beleuchten.

Ihr bekommt in diesem Buch sehr mÀchtige Techniken dargereicht. Benutzt sie! Und tut dies weise.

Die Inhalte in diesem Buch stellen keinen Aufruf und keine Ermutigung dar, sich selbst auszufĂŒhren. FĂŒr WidersprĂŒche und AbsurditĂ€ten wird keinerlei Haftcreme entgegengenommen.

Wir weisen hiermit darauf hin, dass der generische Maskulin im Folgenden durch seinen femininen Gegenpart ersetzt werden kann und umgekehrt.

-II-

EinfĂŒhrung

Die Geschichte der Operation Mindfuck ist vermutlich so lang, wie die Geschichte der Menschheit.

Seit Anbeginn der Geschichte existieren in Sagen, Mythen, MĂ€rchen und ErzĂ€hlungen, Figuren, die die Weltanschauung und das Bewusstsein ihrer Mitmenschen auf den Kopf stellen wollten oder gestellt haben, es in TrĂŒmmer zerschlagen wollten oder haben oder die vorherrschenden RealitĂ€tstunnel ihrer Zeit mit anderen bereichern wollten oder bereichert haben.

Manische Götter und ihre durchgeknallten Propheten, besessene Eremiten und irre Gaukler, wahnsinnige Hochstapler, verrĂŒckte Clowns und der Weise vom Berg. Diese Figuren finden wir in den Aufzeichnungen jeder Kultur, rund im die Erde.

Eris, die streitsĂŒchtige Göttin des Chaos,- Hassin I Sabbah, der VerrĂŒckte vom Berg,- Mullah Nasreddin, der verwirrende Sufi-Meister,- Till Eulenspiegel, der schelmische Gaukler,- Zarathustra, der ausgeflippte Anti-Philosoph, Kaiser Norton der Herrscher von Kalifornien, der zwergenhafte Midget, ausgezogen, um die Riesen alle zu machen...

Sie alle haben auf ihre Weise dazu beigetragen, Menschen dazu zu bewegen, ihre RealitĂ€tstunnel fĂŒr einen Moment lang in Frage zu stellen oder in Frage gestellt zu sehen. Sie taten dies indem sie kommunikative Werkzeuge benutzt haben, fĂŒr die menschliche Nervensysteme keine Verteidigung haben, weil sie die herrschenden Dogmen, die herrschenden Codes, und die herrschende Symbolik verdrehen und entstellen und alleine dadurch fĂŒr eine Inkongruenz von Erfahrung und Überzeugung sorgen.

An dieser Stelle möchten wir unserem Wort mehr Substanz verleihen und diese Figuren fĂŒr einen kurzen Moment selbst zur Sprache kommen lassen, auf dass auch der Letzte Mensch verstehe, was das Anliegen dieser Figuren und Phantome war.

Beginnen werden wir mit Mullah Nasreddin, der vielleicht im 13. Jahrhundert in Anatolien gelebt hat.

"Gesetze als solche machen die Menschen nicht besser", sagte Nasrudin zum König. "Sie mĂŒssen bestimmte Dinge in die Tat umsetzen, um auf die innere Wahrheit abgestimmt zu werden. Diese Form der Wahrheit Ă€hnelt der Ă€ußeren Wahrheit nur von ferne." Der König aber beschloß, die Menschen dazu zu bringen, die Wahrheit anzunehmen. Er war ĂŒberzeugt, er könne sie dazu bringen, Wahrhaftigkeit in die Tat umzusetzen. Man kam in die Stadt ĂŒber eine BrĂŒcke; auf dieser ließ er einen Galgen errichten. Am nĂ€chsten Tage, als die Tore im Morgengrauen geöffnet wurden, stand der Wachhauptmann dort mit seiner Truppe bereit, um alle, die in die Stadt wollten, zu ĂŒberprĂŒfen. Folgendes hatte man bekannt gegeben: "Jedermann wird befragt! Wenn er die Wahrheit spricht, wird ihm erlaubt, in die Stadt zugehen. Wenn er lĂŒgt, wird er gehĂ€ngt." Nasrudin kam heran. "Wohin gehst du?" "Ich bin unterwegs, um gehĂ€ngt zu werden", sagte Nasrudin gemĂ€chlich. "Das glauben wir dir nicht!" "Gut! Falls ich gelogen habe, hĂ€ngt mich auf!" "Aber wenn wir dich aufhĂ€ngen, weil du gelogen hast, machen wird das, was du gesagt hast, ja zur Wahrheit." "Recht so! Jetzt wißt ihr, was Wahrheit ist - eure Wahrheit!"

Es gibt unzÀhlige dieser Geschichten des heiligen Nasreddin und jeder Discordianer sei angeregt, sich auf die Suche nach diesen Schatzkammern der Paradoxien zu begeben.

Ein weiterer Strolch im französischen Garten der Vernunft, Till Eulenspiegel, der die BĂŒrger rund um Braunschweig mit seinen Streichen zur Vernunft zu erziehen versucht hat, die denen der einen Göttin, unserer Freundin aus Athen, alle Ehre machen wĂŒrde, tritt auf die BĂŒhne:

'Das Volk sammelte sich bald, jung und alt. Und Eulenspiegel sprach zu den Jungen: jeder solle ihm seinen linken Schuh geben, er wolle ihnen mit den Schuhen ein hĂŒbsches StĂŒck auf dem Seil zeigen. Die Jungen glaubten das, und alle meinten, es sei wahr, auch die Alten. Und die Jungen huben an, die Schuhe auszuziehen, und gaben sie Eulenspiegel. Es waren der Jungen beinahe zwei Schock, das sind zweimal sechzig.

Die HĂ€lfte der Schuhe wurde Eulenspiegel gegeben. Da zog er sie auf eine Schnur und stieg
damit auf das Seil. Als er nun auf dem Seil war und hatte die Schuhe mit oben, sahen die Alten und die Jungen zu ihm hinauf und meinten, er wolle ein lustig Ding damit tun. Aber ein Teil der Jungen war betrĂŒbt, denn sie hĂ€tten ihre Schuhe gern wiedergehabt.

Als nun Eulenspiegel auf dem Seil saß und seine KunststĂŒcke machte, rief er auf einmal:
»jeder gebe acht und suche seinen Schuh wieder!« Und damit schnitt er die Schnur entzwei und warf die Schuhe alle von dem Seil auf die Erde, so daß ein Schuh ĂŒber den anderen purzelte.

Da stĂŒrzten die Jungen und Alten herzu, einer erwischte hier einen Schuh, der andere dort. Der eine sprach: »Dieser Schuh ist mein!« Der andere sprach: »Du lĂŒgst, er ist mein!«
Und sie fielen sich in die Haare und begannen sich zu prĂŒgeln. Der eine lag unten, der andere oben; der eine schrie, der andere weinte, der dritte lachte. Das wĂ€hrte so lange, bis auch die Alten Backenstreiche austeilten und sich bei den Haaren zogen.

Derweil saß Eulenspiegel auf dem Seil, lachte und rief: »Hehe, sucht nun die Schuhe, wie ich
kĂŒrzlich ausbaden mußte!« Und er lief von dem Seil, und ließ die Jungen und Alten sich um die Schuhe zanken.

Danach durfte er sich vier Wochen lang vor den Jungen oder Alten nicht sehen lassen. Er saß
deshalb im Hause bei seiner Mutter und flickte Helmstedter Schuhe. Da freute sich seine
Mutter sehr und meinte, es wĂŒrde mit ihm noch alles gut werden. Aber sie kannte nicht die
Geschichte mit den Schuhen und wußte nicht, daß er wegen dieses Streichs nicht wagte, vors
Haus zu gehen.'

Zu guter Letzt möchten wir Kaiser Norton auftreten lassen, mit seiner höchst offiziellen Auflösung der Vereinigten Staaten von Amerika:

'Whereas, it is necessary for our Peace, Prosperity and Happiness, as also to the National Advancement of the people of the United States, that they should dissolve the Republican form of government and establish in its stead an Absolute Monarchy;
Now, therefore, We, Norton I, by the Grace of God Emperor of the Thirty-three states and the multitude of Territories of the United States of America, do hereby dissolve the Republic of the United States, and it is hereby dissolved;
And all laws made from and after this date, either by the National Congress or any State Legislature, shall be null and of no effect. All Governors, and all other persons in authority, shall maintain order by enforcing the heretofore existing laws and regulations until the necessary alterations can be effected.
Given under our hand and seal, at Headquarters, San Francisco, this 26th day of July, 1860.'
Auch wenn der Discordianismus den Ruf hat, eine sehr unterhaltsame Veranstaltung zu sein, widmen wir den nĂ€chsten Teil dieser EinfĂŒhrung der Schaffung einer theoretischen Grundlage des discodianischen Aktivismus.

-III-

Der Status Quo

Bevor wir ĂŒber den Mindfuck sprechen, mĂŒssen wir uns darĂŒber einig werden, was dieses Mind ist, das da gefickt werden soll und warum wir uns der Kommunikations-Guerilla bedienen, um dieses zu bewerkstelligen.

Wir werden hier keinen Abriss der Epistemologie und ihrer wechselnden Paradigmen vornehmen, sondern uns erst einmal bemĂŒhen, den gesellschaftlichen Status Quo zu beschreiben, von dem aus wir ĂŒberhaupt aktiv werden können. In dieser Beschreibung wird einiges ĂŒber dieses Mind zur Sprache kommen, das wir anschließend fĂŒr die Praxis benutzen werden können.

Theodor W. Adorno und Max Horkheimer haben 1947 in ihrem bekanntesten Werk 'Die Dialektik der AufklÀrung' einen Aufsatz veröffentlicht, der sich diesem Status Quo widmet und versucht eine Bestandsaufnahme der westlichen Kultur zu zeichnen.
Dieser Aufsatz heißt: 'Kulturindustrie – AufklĂ€rung als Massenbetrug'. Der Titel macht deutlich, dass Adorno und Horkheimer zu einem vernichtenden Urteil ĂŒber unsere derzeitige Kultur gelangen, welches naturgemĂ€ĂŸ durch ihr Wissen und ihre Erfahrung um die Geschehnisse im dritten Reich beeinflusst ist.

Im Gegensatz zu heutigen Generationen war Adorno und Horkheimer bewusst, dass sich menschliche Gesellschaften immer in Oszillation zwischen dem Willen nach Freiheit und dem Wunsch nach UnterdrĂŒckung befinden. Im amerikanischen Exil forschten sie in Zusammenarbeit mit ihren dortigen Kollegen ĂŒber den autoritĂ€ren Charakter und deckten dabei das dem Menschen inhĂ€rente Potential zum Faschismus auf. Ihr Anliegen war, die Strukturen und Mechanismen hinter geschichtlichen Ereignissen wie der Shoa offen zulegen, auf dass sich eine Wiederholung solcher Prozesse niemals ereigne.

Diese Einstellung Ă€ußert sich z.B. in folgendem Zitat von Adorno:

'Ich fĂŒrchte mich nicht vor der RĂŒckkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der RĂŒckkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten.'

Nicht die Furcht, sondern die Bewusstheit und das Wissen um gesellschaftliche Prozesse sollte unser Handeln bestimmten, - denn wir sind diejenigen, die sich heute fĂŒr Freiheit und AufklĂ€rung einsetzen mĂŒssen, um genau diesen Faschismus von dem Adorno spricht zu verhindern.

In gewisser Weise war der Faschismus im Allgemeinen und der Nationalsozialismus im Speziellen ein sehr ehrliches Unternehmen. Hitler und Mussolini machten keinen Hehl aus vielen ihrer Überzeugungen und den Mitteln mit denen sie gedachten, diese praktisch umzusetzen.
Die Folgen waren fĂŒr den denkenden Menschen abzusehen und so verließen Tausende Deutschland, so lange sie Gelegenheit dazu hatten.
Heute verlĂ€sst niemand Deutschland. Heute hat niemand Angst vor dem Faschismus, zumindest nicht hier, im Herzen der 'ersten Welt'. Doch vielen wird immer bewusster, dass es eine reale Gefahr gibt, die diesen immer drohenden Faschismus zu einer massiven Gefahr fĂŒr die Freiheit des Einzelnen macht.

Mussolini sagte einst vor der italienischen Abgeordnetenkammer dass er 'keine Ausschreitungen mehr zu dulden' bereit wĂ€re, und dass sich seine Politik kĂŒnftig mit den drei Worten 'Wirtschaft, Arbeit und Disziplin' beschreiben lasse.

Dieses VerstĂ€ndnis von Politik und Macht ist nicht sehr weit von dem entfernt, was sich als den heutigen Ethos des BĂŒrgers der westlichen Welt manifestiert. Die Sprache in der sich derlei Inhalte nicht wie bei Mussolini als Selbstoffenbarung sondern als Appell verstecken, ist heute mehr visuell und rituell erfahrbar als offen zu lesen.

Genau diese visuelle und rituelle Erfahrbarkeit mit der heute Botschaften dargeboten werden, untersuchten Adorno und Horkheimer in der 'Kulturindustrie'. Darin beschreiben sie minutiös verschiedenste Mechanismen und Wechselwirkungen gesellschaftlich-medialer und besonders massen-medialer Kommunikation. Ihre zentrale These ist, dass Kultur und Kunst zur Ware werden und sich ĂŒber ihren ökonomischen Wert definieren, was diese konstitutionell zu einer Industrie macht.

'Von Interessenten wird die Kulturindustrie gern technologisch erklĂ€rt. Die Teilnahme der Millionen an ihr erzwinge Reproduktionsverfahren, die es wiederum unabwendbar machten, dass an zahllosen Stellen gleiche BedĂŒrfnisse mit StandardgĂŒtern beliefert werden. Der technische Gegensatz weniger Herstellungszentren zur zerstreuten Rezeption bedinge Organisation und Planung durch die VerfĂŒgenden.'

Diese Umwandlung der Kultur von Ă€sthetischem Ausdruck zu einem industriellen Produkt fĂŒhrt in der Analyse von Adorno und Horkheimer zu einer RollenverĂ€nderung des Konsumenten, die diesen vollstĂ€ndig auf eben den Konsum reduziert und ihn, nach dem ökonomischen Prinzip, ein bestimmtes Ziel mit möglichst geringem Einsatz zu erreichen, mit Trivialien und frei Erfundenem beliefert.

Um ihre Position zu sichern und ihren Einfluss zu erweitern ist, nach Adorno, ein ebenso wirtschaflicher, wie Macht erhaltender Umgang der herrschenden Kaste mit dem empfangenden Publikum nötig.

'Das BedĂŒrfnis, das der zentralen Kontrolle etwa sich entziehen könnte, wird schon
von der des individuellen Bewußtseins verdrĂ€ngt. Der Schritt vom Telephon zum Radio hat die Rollen klar geschieden. Liberal ließ jenes den Teilnehmer noch die des Subjekts spielen. Demokratisch macht dieses alle gleichermaßen zu Hörern, um sie autoritĂ€r den unter sich gleichen Programmen der Stationen auszuliefern.'

Dies hatte schon Hitler verstanden, als er in 'Mein Kampf' schrieb:
'Die AufnahmefĂ€higkeit der großen Masse ist nur sehr beschrĂ€nkt, das VerstĂ€ndnis klein, dafĂŒr jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschrĂ€nken und diese schlagwortartig so lange zu verwenden, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag. Sowie man diesen Grundsatz opfert und vielseitig werden will, wird man die Wirkung zum Zerflattern bringen, da die Menge den gebotenen Stoff weder zu verdauen noch zu behalten vermag.'

Dieser Umgang mit den EmpfĂ€ngern der Kultur-Produkte, die heute die gesamte Gesellschaft bilden, fĂŒhrt dazu, dass eine Wirkung dieses Materials auf das Bewusstsein der Konsumenten ausgeĂŒbt wird.

Bewusstseinsinhalte bilden den Inhalt unseres Bewusstseins. So trivial diese Erkenntnis scheint, so mĂ€chtig ist sie. Denn die Kulturindustrie kann ihren Bann nur ĂŒber diejenigen legen, die tatsĂ€chlich ihre Produkte konsumieren. Zu diesen schreibt Adorno:

'Keine Apparatur der Replik hat sich entfaltet, und die privaten Sendungen werden zur Unfreiheit verhalten. Sie beschrĂ€nken sich auf den apokryphen Bereich der »Amateure«, die man zudem noch von oben her organisiert. Jede Spur von SpontaneitĂ€t des Publikums im Rahmen des offiziellen Rundfunks aber wird von TalentjĂ€gern, Wettbewerben vorm Mikrophon, protegierten Veranstaltungen aller Art in fachmĂ€nnischer Auswahl gesteuert und absorbiert. Die Talente gehören dem Betrieb, lĂ€ngst ehe er sie prĂ€sentiert: sonst wĂŒrden sie nicht so eifrig sich einfĂŒgen. Die Verfassung des Publikums, die vorgeblich und tatsĂ€chlich das System der Kulturindustrie begĂŒnstigt, ist ein Teil des Systems, nicht dessen Entschuldigung.'

Doch das PhĂ€nomen der Kulturindustrie hat weitere Efffekte, ĂŒber die Adorno und Horkheimer ebenso Aussagen machen. So ergeben sich Wechselwirkungen zwischen Produktion von kĂŒnstlichem Leben z.B. im Film und die daraus folgende Reproduktion dieses kĂŒnstlichen Lebens im realen Leben realer Menschen.

'Jedem beliebigen Tonfilm, jeder beliebigen Radiosendung lĂ€ĂŸt sich entnehmen, was keiner einzelnen, sondern allen zusammen in der Gesellschaft als Wirkung zuzuschreiben wĂ€re. Unweigerlich reproduziert jede einzelne Manifestation der Kulturindustrie die Menschen als das, wozu die ganze sie gemacht hat. DarĂŒber, daß der Prozeß der einfachen Reproduktion des Geistes ja nicht in die erweiterte hineinfĂŒhre, wachen alle seine Agenten, vom producer bis zu den Frauenvereinen.'

In diesem letzten Wort dieses Zitats liegt ein weiteres Baustein der Gesamtwirkung der heute der Kulturindustrie zugeschrieben werden muss. Die Rolle, die Adorno und Horkheimer hier den Frauenvereinen zuweisen, erfĂŒllt eine Funktion, die nur in dem Kontext der kulturellen Grammatik untersucht werden kann.

Kulturelle Grammatik beschreibt das Regelsystem, - bewusst oder unbewusst, artikuliert oder stillschweigend angenommen, was das tÀgliche Verhalten von Gesellschaften und Individuuen in Gesellschaften bestimmt.

Die kulturelle Grammatik wird in allen öffentlichen und gesellschaftlichen Institutionen angewandt.

Beispiel:

SchĂŒler in öffentlichen Schulen, werden dazu gebracht, sich nach bestimmten Signalen und Codes zu verhalten.

Der Lehrer betritt den Klassenraum. Die SchĂŒler sind gezwungen aufzustehen und den Lehrer respektvoll zu begrĂŒĂŸen. Der Lehrer ordnet an, die BĂŒcher zu öffnen. Die SchĂŒler öffnen ihre BĂŒcher. Der Lehrer ordnet an, dass Stefan die Hausaufgaben vortrĂ€gt, also trĂ€gt Stefan die Hausaufgaben vor. Alleine dass die SchĂŒler in der Schule anwesend sind ist Verdienst kultureller Grammatik.

Wir mĂŒssen uns vor Augen fĂŒhren, wie es dazu kam, dass es ein staatliches Bildungsmonopol gibt und welchen Nutzen dies fĂŒr bestimmte Seiten mit sich bringt.

Dazu machen wir einen kleinen Exkurs in die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

John Taylor Gatto, ein amerikanischer PĂ€dagoge hat die letzten zwanzig Jahre damit verbracht, die geschichtlichen und gesellschaftlichen VersatzstĂŒcke im Mosaik des staatlichen Schulwesens zusammenzutragen.

In 'The Public School Nightmare' schreibt Gatto ĂŒber die Geschichte des staatlichen Schulsystems folgendes:

'The structure of American schooling, 20th century style, began in 1806 when Napoleon's amateur soldiers beat the professional soldiers of Prussia at the battle of Jena. When your business is selling soldiers, losing a battle like that is serious. Almost immediately afterwards a German philosopher named Fichte delivered his famous "Address to the German Nation" which became one of the most influential documents in modern history. In effect he told the Prussian people that the party was over, that the nation would have to shape up through a new Utopian institution of forced schooling in which everyone would learn to take orders.

So the world got compulsion schooling at the end of a state bayonet for the first time in human history; modern forced schooling started in Prussia in 1819 with a clear vision of what centralized schools could deliver:

1.Obedient soldiers to the army;
2.Obedient workers to the mines;
3.Well subordinated civil servants to government;
4.Well subordinated clerks to industry
5.Citizens who thought alike about major issues. '

'Our form of compulsory schooling is an invention of the state of Massachusetts around 1850. It was resisted - sometimes with guns - by an estimated eighty per cent of the Massachusetts population, the last outpost in Barnstable on Cape Cod not surrendering its children until the 1880's when the area was seized by militia and children marched to school under guard'

Diese Geschichte wird selten erzĂ€hlt. Doch gibt sie soviel Aufschluss darĂŒber, welchen Charakter staatliche Schulen haben und versuchen bei ihren SchĂŒlern zu reproduzieren.

Die staatlichen Bildungssysteme sind die Instanzen, die am wirksamsten Menschen dazu erziehen, der kulturellen Grammatik zu folgen.

Die Jesuiten die vor der EinfĂŒhrung der staatlichen Schulen bereits ihre eigenen hatten, haben einige Aufmerksamkeit fĂŒr eine ihrer Äusserungen erhalten.

'Gib mir das Kind wÀhrend seiner ersten sieben Lebensjahre und ich gebe dir den Menschen.'

Diese, damals auf praktischer Beobachtung fußende Annahme, ist heute lĂ€ngst wissenschaftlich bestĂ€tigt. Es besteht wenig Zweifel daran, dass die ersten Lebensjahre die prĂ€gungsempfindlichsten eines Menschen sind.

In der frĂŒhen Kindheit werden grundlegende Formen der Kommunikation, der EmotionalitĂ€t und SoziabilitĂ€t geprĂ€gt, die ohne traumatische Umkonditionierung den Rest des Leben ihre Wirkung auf das Bewusstsein des Menschen ausĂŒben.

Dieser Einfluss wird in Schulen bewusst genutzt, um einen bestimmten Typus Mensch zu erziehen. Einen angepassten, aber dennoch adÀquat gut ausgebildeten und wirtschaftlich einsetzbaren Menschen, der von sich aus die Werte und Normen reproduziert, die von ihm erwartet werden und diese, bestenfalls autonom, an seine Umwelt und an seine Kinder weiter gibt.

Mit dieser Beschreibung befinden wir uns nicht mehr in der geschichtlichen Betrachtung der Institution Schule, sondern in der gesamtgesellschaftlichen Gegenwart.

Das Netz aus Kulturindustrie und kultureller Grammatik bedingt maßgeblich unsere gesellschaftlichen Strukturen und Rituale.

In ihrem Handbuch der Kommunikationsguerilla beschreibt die 'Autonome A.F.R.I.K.A Gruppe' die Wirkweisen der kulturellen Grammatik anhand anschaulicher Beispiele wie diesem:

'In der Schule beispielweise, einem der wichtigsten Orte gesellschaftlicher Sozialisation, sind Elemente der herrschenden Ideologie von Anfang an Teil des Unterrichtsstoffes – gelehrt werden etwa das herrschende GeschichtsverstĂ€ndnis, das nötige Allgemeinwissen, das gesellschaftliche Werte- und Normensystem. Über solche offen ausgesprochenen Inhalte hinaus jedoch werden die SchĂŒler in einem viel umfassenderen Sinne darĂŒber unterrichtet, dass und wie sie sich in die NormalitĂ€t von Herrschafts- und Machtbeziehungen einfĂŒgen sollen. Auch wenn sich die Sitzordnung immer wieder verĂ€ndern kann, ist die Einhaltung der jeweils gĂŒltigen Form zwingend vorgeschrieben. Selbst wenn die Tische im Kreis aufgestellt werden, zeigt sich die AutoritĂ€t des Lehrers darin, dass er jederzeit aufstehen, umhergehen, SchĂŒler ansprechen darf. Eine frontale und einseitige Kommunikationsordnung legt fest, wer ĂŒber die Art des Lernens entscheidet – der Lehrer und wer sich einfĂŒgt – die SchĂŒler.'
Diese Art der kommunikativen Kontrolle findet genauso in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen statt, in den Macht erhalten werden soll.

Der Politiker, der 'zum Volk' spricht, die Pressekonferenz, auf der Firmenvertreter im Tonfall der Macht ihre Absichten prĂ€sentieren, in Nachrichten-Sendung und Zeitungen. Vom TaubenzĂŒchter-Verein bis hin zu staatlichen Institutionen hat eine auf Machterhaltung und Unterordnung basierende kulturelle Grammatik in unserer Gesellschaft Fuß gefasst.

Diese Grammatik grÀbt sich bis hinein in unsere Beziehung, in unsere Emotionen und Gedanken. Die Kulturindustrie besorgt den Teil, den die staatlichen und wirtschaftlichen Institutionen nicht zu leisten im Stande sind und versorgt das Bewusstsein von Konsumenten mit den nötigen Inhalten.

So haben wir mittlerweile genaue Vorstellungen davon, was Romantik ist, was Liebe ist, was GlĂŒck ist, was Schönheit ist, was sexy ist, was ein gelungenes Leben ist, was gesellschaftlich angebrachte Reaktionen in vielen Bereichen unseres Lebens sind.
Wann darf gelacht, wann geweint, wann geschrien werden? Wer wird gegrĂŒĂŸt, wer ĂŒbergangen, wer zum VorstellungsgesprĂ€ch eingeladen, wer mit Nicht-Beachtung gestraft?

Diese Fragen zu beantworten schickt sich die Kulturindustrie an - von Hollywood bis Babelserg, von ARD bis Al-Jazeera, von Radio-Television-Luxemburg bis zum Deutschlandfunk, von der Zeitungsanzeige bis zum Mega-Plakat am Alexanderplatz, vom Radio-Werbespot bis hin zu unternehmerischer Selbstdarstellung im Fernseh-Werbe-Spot, von MTV bis zur Deutschen Oper.

Die Antworten werden stetig wiederholt durch die gesellschaftlichen Akteure, die diese Medien produzieren. Und so erreicht noch den letzten Winkel der Gesellschaft die Botschaft: 'Gehorche. Arbeite. Kaufe. Stelle keine Fragen, ĂŒber den Sinn dahinter.'

'We cannot let the terrorists achieve the objective of frightening our nation to the point where we – where people don't shop.' George Walker Bush

Über die kulturelle Grammatik und den Einfluss der Kulturindustrie hinaus gibt es allerdings noch einen weiteren Aspekt der RealitĂ€tsbildung, den wir hier kurz anreißen möchten.

Dieser geht in seiner Wirkweise noch wesentlich tiefer und ist wesentlich schwerer auszumachen und zu verÀndern, als die oben genannten Mechanismen.

Die fundamentalsten unserer Überzeugungen sind die, die wir nicht offen sehen können, solange wir uns keines interkulturellen Vergleichs, uns einer dialektischen Geschichtsbeschreibung oder uns den philosophisch-psychologischen Fragen der Erkenntnismöglichkeit des Menschen bedienen.
Tun wir dies, taucht bald der Begriff Ontologie auf. Dieser Begriff kann nicht klar beschrieben werden, weil er fast synomyn sich verhÀlt zum Begriff der Metaphysik, die wir ebenso schwer definieren können.

Im wesentlichen handelt es sich bei einer Ontologie um die absoluten GrundsÀtze, die Axiome unseres geistigen Betriebssystems.
'Hat die Welt einen Anfang?' 'Woher stammt die Welt?' 'Aus was besteht sie?' 'Welchen Sinn hat sie, haben wir in ihr?' Solche und andere Fragen bilden den Katalog, der beantwortet unsere Ontologie ausmacht.

'Gott hat die Welt erschaffen.' 'Das Universum enstand im Big Bang' 'Die Erde ist eine Scheibe.' 'Die Erde ist eine Kugel.' 'Der Sinn des Lebens besteht darin, Gott zu dienen. 'Der Sinn des Lebens besteht darin, Erleuchtung zu erlangen.'

Annahmen wie diese fĂŒllen unser Bewusstsein auf einer absolut basalen Ebene. Ganze Kulturen teilen derlei Annahmen, ohne sich jemals darĂŒber bewusst zu sein, dass sie alle den gleichen Axiomen folgen. Axiome, die ihrerseits grundsĂ€tzlich zur Disposition stehen.

Selbst in einer Gesellschaft, wie der unsrigen, die sich gerne als 'Wissenschaftsgesellschaft' prÀsentiert, hat selbst die wissenschaftliche Forschung nicht die nötige AutoritÀt, um die Ontologie die die Mehrheit der Menschen teilen, zu verÀndern und gegebenenfalls an sinnvollere Axiome anzupassen.

Die Logik, die wir benutzen ist Teil unserer Ontologie. Unser Konzept von Zeit ist Teil unserer Ontologie. Dinge und Begriffe, die innerhalb unserer Ontologie keine Schnittstelle haben, werden von uns unbewusst ausgeblendet oder verdrÀngt.

Dass es z.B. neben aristotelischer Logik, das einwertige ja-oder-nein auch noch eine nicht-aristotelische Logik gibt, das mehrwertige ja-vielleicht-nein, nehmen die meisten Menschen nicht wahr, obwohl diese Logik sich direkt aus den bedeutensten wissenschaftlichen Erkenntnissen des letzten Jahrhunderts ableitet, den Arbeiten von Albert Einstein und der Quantenphysiker.

Hier setzen wir als Discordianer an.

Wir sind der Meinung, dass es sinvolle, weniger sinnvolle und sinnlose Wege gibt, sein Leben zu gestalten und Gesellschaften zu organisieren. Weiterhin sind wir der Meinung, eine interessante Abwechslung anbieten zu können, die es sich fĂŒr einen Menschen lohnen könnte, praktisch zu testen.

Doch unsere Anstrengungen fruchten nur teilweise oder gar nicht.

Unsere Sprache ist absurd, der Inhalt den wir transportieren widersprĂŒchlich. Dennoch möchten wir, dass andere Menschen uns zuhören, uns Aufmerksamkeit schenken und wenn ihnen der Sinn danach steht, den Versuch unternehmen, sich auf das einzulassen, was wir anzubieten haben.

Angesichts der oben beschriebenen Methoden von Kontrolle und Zwang scheint dies ein nicht-einlösbares Verlangen zu sein. Doch genau um diese Frage zu klĂ€ren und zu schauen, ob und wenn, wie wir es schaffen können eine aufmerksame Öffentlichkeit fĂŒr unser Anliegen zu schaffen, schreiben wir dieses Handbuch.
In den nĂ€chsten Kapiteln versuchen wir zu erlĂ€utern, warum gewisse kommunikative Werkzeuge trotz der nahezu allmĂ€chtigen Rolle von Ontologie, kultureller Grammatik und Kulturindustrie die Macht haben, Bewusstseinsinhalte zu transportieren und Menschen dazu zu bewegen, ihre Überzeugungen zu hinterfragen und sich der Aufgabe verschreiben, selbst den Kampf gegen die Dummheit und den Faschismus zu kĂ€mpfen – und wie sich diese Werkzeuge von Discordianern einsetzen lassen.

Wir werden uns nicht mit politschen, kĂŒnstlerischen oder philosophischen Werkzeugen aufhalten, sondern uns mit denen befassen, die an die Wurzel des Übels gehen: die Ontologie der Menschen, ihrer kulturellen Grammatik und ihrer Kulturindustrie.

Wir werden versuchen aufzuzeigen, wie man die Ontologie eines Menschen zum EinstĂŒrzen bringt, wie man es fertig bringt, die Rituale der kulturellen Grammatik zu sabotieren und wie man es schafft, Menschen aus den FĂ€ngen der Kulturindustrie zu befreien.

Warum sollte uns Discordianern all dies möglich sein, wenn alle anderen 'revolutionÀren' Bewegungen daran scheitern? Weil wir es können. Weil wir es machen. Weil wir es so wollen.

Wir sind eine Horde Geisteskranker, die im Bauchladen der kulturellen Grammatik umherspringt und wilde Blumen verteilt.

Wir sind eine der letzten Fronten des freien Denkens.

Wir sind nicht-örtlich und nicht-linear.

Wir verlangen von niemandem eine Religion, eine Ideologie anzunehmen oder ein Produkt zu kaufen.

Alles was wir wollen, ist die Menschen wieder zu Menschen zu machen – indem wir ihnen ihre Freiheit zurĂŒck geben.

Die Brigade Zarathustra der Legion Discordia hofft ihren Lesern ein Blitz sein zu können.

Auf dass er ein Feuer entfache!

Heil Eris! Ewig Heil Discordia!
Nan-in, ein japanischer Meister der MEJI-Zeit (1868 bis 1912), empfing den Besuch eines UniversitĂ€tsprofessors, der etwas ĂŒber Zen erfahren wollte. Nan-in servierte Tee. Er goss die Tasse seines Besuchers voll und hörte nicht auf, weiterzugießen.
Der Professor beobachtete das Überlaufen, bis er nicht mehr an sich halten konnte. "Es ist ĂŒbervoll. Mehr geht nicht hinein!"
"So wie diese Tasse", sagte Nan-in, sind auch Sie voll mit Ihren Meinungen und Spekulationen. Wie kann ich Ihnen Zen zeigen, bevor Sie Ihre Tasse geleert haben?"
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5teve23
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Re: Discordianische Guerilla-Die Technik der Operation Mindf

Beitrag von 5teve23 »

Unser Guerilla Team ist auch krÀftig am Werken :trinken:
Dieser Post ist ein Spiegel.
Wenn ein Affe hineinsieht, schaut kein Apostel heraus.
23 ♄ ♫ àč‘ â™„ 23 ♄ ♫ àč‘ â™„ 23 ♄ ♫ àč‘ â™„ 23 ♄ ♫ àč‘ â™„ 23 ♄ ♫ àč‘ â™„
Episkop der fraktalen Entheogene vom Spiral Tribe
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